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Neufluchtland

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Neufluchtland

Ein Theaterstück zur Integration

„Wie läuft’s bei euch mit der Integration?”

Die auf einer Vielzahl von Gesprächen mit Geflüchteten und Einheimischen basierende Szenencollage Neufluchtland nähert sich dieser Frage über die Sicht von betroffenen jungen Menschen und ihrer Eltern. Wie erleben die Geflüchteten ihr neues Umfeld? Welche Erfahrungen mit Deutschen machen Sie? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen Einheimische und Geflüchtete? Wie gehen sie miteinander um? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Regeln, Tradition und Religion? Welchen Einfluss hat die westliche Lebensart auf die Flüchtlinge? Welche Konflikte treten auf?

Aufführungsdauer ca. 60 Minuten.

Softcover DIN A5, 64 Seiten, Selbstverlag, 6,00 EUR, bei Postversand zzgl. Verpackung und Porto.

Bestellung und Aufführungsrechte über den Autor

Prolog: Dann gibt’s was auf die Ohren

Spieldauer ca. 4 Minuten

Im Hintergrund projiziert Artikel 1(1) des Grundgesetzes.

Alle Kinder betreten langsam die Bühne und stellen sich in zwei Gruppen (einheimische und geflüchtete Kinder) an die Rampe. Layla und Jan in der Mitte. In selbstbewusster Pose blicken sie schweigend und herausfordernd ins Publikum. Licht aus. Spot auf Layla und Jan, beide treten einen Schritt vor. Einige Sekunden Stille.

ALLE: (laut) Wir haben euch etwas zu sagen!

LAYLA: Es ist uns wichtig.

JAN: Sehr wichtig!

ALLE: (laut) Wir hoffen, ihr seid stark! Ihr müsst tapfer sein!

LAYLA: Es wird nicht angenehm für euch.

JAN: Für uns auch nicht.

LAYLA: Es wird gar nicht lustig!

ALLE: Erwartet ihr das etwa?

LAYLA: Ihr wollt sicher gut unterhalten werden.

JAN: Euch einen netten Abend machen.

ALLE: (laut) Da wird nichts draus!

LAYLA: (nach kurzer Pause, provokant) Noch könnt ihr gehen.

Pause. Jan und Layla sehen erwartungsvoll ins Publikum.

LAYLA: (bestätigend) Ihr wollt also weinen.

ALLE: (laut) Das könnt ihr haben!

JAN: Ich möchte nicht, dass die Leute weinen.

LAYLA: (wissend) Wir haben auch ganz viel geweint.

Kurze Pause.

JAN: (sieht forschend durch die Publikumsreihen) Ob die hier alle schon mal in einer Flüchtlingsunterkunft waren?

LAYLA: Kaum.

JAN: Hmm. (nach einer Pause, nachdenklich) Wenigstens ein paar?

LAYLA: Vielleicht.

JAN: Ich finde, alle, die rumschimpfen über euch Flüchtlinge, sollten da selber mal reinziehen.

LAYLA: Lieber nicht.

Schweigen. Die beiden sehen ins Publikum.

LAYLA: Würdest du das denn machen?

JAN: ... was?

LAYLA: Na ... zu uns ins Camp ziehen?

JAN: (erschrickt, zögert) Nein ... ich schimpfe ja auch nicht.

LAYLA: Ach so. (kurze Pause) Wir wohnen jetzt woanders.

JAN: Ich würd gern wissen, wer von denen schon mal über euch gemeckert hat.

LAYLA: In einer Wohnung. In einem Hochhaus. — Frag sie doch!

JAN: Trau mich nicht. Wohnen da auch Deutsche?

LAYLA: Ein paar.

JAN: Sind die nett?

LAYLA: Geht so.

JAN: Meckern die rum?

LAYLA: Manchmal. Wenn wir denen zu laut sind.

JAN: Wahrscheinlich meckern die oft.

LAYLA: Wenn wir in der Stadt sind, meckern die Leute auch manchmal.

JAN: Warum?

LAYLA: Manche mögen uns nicht. Die sagen schlimme Wörter.

Pause. Die Kinder hinter Layla und Jan sind unruhig geworden.

JAN: (mit dem Kopf hinter sich zeigend) Ich glaub, die wollen auch mal wieder was sagen.

ALLE: (fordernd) Mmmm!

JAN: Ja? – Und?

ALLE: Ihr wolltet die Zuschauer doch noch was fragen!

Jan und Layla gucken verlegen. Pause.

ALLE: Ihr wolltet sie doch fragen, wie sie so ticken.

Jan zögert, sieht sich etwas hilflos um.

LAYLA: Na, mach schon, du Schisser!

JAN: Du zuerst.

LAYLA: (laut, zum Publikum) Habt ihr eure liebgewordenen Vorurteile dabei? Eure Intoleranz? Eure Fremdenfeindlichkeit?

GRUPPE GEFLÜCHTETER KINDER: (laut) Seid ihr der Meinung, dass wir Deutschland unterwandern? Dass wir alle Verbrecher sind? Dass wir schnell wieder verschwinden sollen?

LAYLA: Super! Dann seid ihr unser Publikum!

Kurze Pause.

JAN: (zum Publikum) Und ihr ... ihr Flüchtlinge: Habt ihr eure religiöse Engstirnigkeit dabei? Eure Radikalität und kulturelle Überheblichkeit?

GRUPPE EINHEIMISCHER KINDER: (laut) Habt ihr es nur auf unser Geld abgesehen? Verbietet ihr euren Töchtern, Sport zu treiben? Sperrt ihr sie weg?

JAN: Ja? – (zufrieden) Sehr gut! Dann gibt’s ordentlich was auf die Ohren!

Licht aus.


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