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Spielt Papa nicht mit?

 ⊕ Szenentitel und Leseprobe

Spielt Papa nicht mit?

Ja, es sieht so aus, Papa spielt nicht mit. Dabei hat er doch die Hauptrolle. Aber wer sagt denn, dass man nicht auch schweigend im Mittelpunkt stehen kann?

Wenn Kinder auf der Bühne mit viel Fantasie ihren Gedanken und Ideen nachgehen, dann wird das kaum jemand für absurdes Theater halten. Und wenn sie das zusammen mit Erwachsenen tun, dann scheint die Seriosität erst recht nicht gefährdet. Dies gilt umso mehr, wenn es um philosophische Fragen geht.

Aber ist manches in unserem Leben nicht zumindest befremdlich? Wir Erwachsenen bemerken das Seltsame kaum noch, Kinder jedoch stellen Dinge infrage, über die wir nicht mehr nachdenken. Sie verblüffen uns durch unbekümmerte Annahmen und gewagte Analogien.

Auf den Betrachter wirkt das erfrischend und bisweilen vielleicht auch verstörend. Mancher wird es dann doch absurdes Theater nennen. Alle anderen aber werden einen Sinn darin entdecken. Denn Papa spielt natürlich mit — auch wenn er dabei etwas alt aussieht.

Spielt Papa nicht mit? — Rudelraucher, Trommelhasen — Zwölf Szenen mit Kindern für Erwachsene

Bestellung und Aufführungsrechte über den Autor

Szenentitel


01. Warum stören die Frauen denn?
02. Hunde können auch sofort schwimmen
03. Spielt Papa nicht mit?
04. Aber du bist schon voll alt

05. Schrei das Kind nicht an
06. Vielleicht sind wir gar nicht da
07. Opa kommt natürlich auf den Friedhof
08. Stau vor Laura
09. Vielleicht war Jesus ja eine Frau
10. Alles weg!
11. So 'n Pusterich ist doch totaler Quatsch
12. Den hab ich gewonnen!

Leseprobe


Warum stören die Frauen denn?

(Personen: Ein Vater und sein etwa achtjähriger Sohn Jakob, fünf erwachsene Statisten. Dauer: ca. drei Minuten. Ort: Auf dem Bahnsteig, Vater und Sohn sitzen auf einer Bank und warten auf den Zug; in einigen Metern Entfernung steht eine Gruppe von fünf schweigend rauchenden Menschen beieinander, Jakob sieht anfangs immer wieder zu ihnen hinüber)

JAKOB: Papa?

VATER: (gelangweilt) Ja?

JAKOB: Was machen die Leute da?

(Ca. zwei Sekunden Pause)

VATER: Welche Leute?

JAKOB: (deutet auf die Leute) Die da!

VATER: Hmm.

JAKOB: Warum stehen die da alle zusammen?

VATER: Das ist eine Raucherzone.

JAKOB: Was ist das — eine Raucherzone?

VATER: Da müssen die Leute hin, wenn sie rauchen.

JAKOB: Warum stehen die da?

VATER: Weil sie sonst die anderen Menschen stören.

JAKOB: Aber da sind doch gar keine anderen Menschen.

VATER: Doch. Wir.

(Kurze Pause, Jakob denkt nach)

JAKOB: Gibt's für andere Menschen, die stören, auch solche … Zoos?

VATER: … Zonen.

JAKOB: Also solche … Zonen?

VATER: Nicht dass ich wüsste.

(Kurze Pause, Jakob denkt nach)

JAKOB: Doch! Gefängnisse für die ganzen Räuber!

VATER: Stimmt.

JAKOB: (einige Sekunden Pause, Jakob denkt weiter nach) Und die Parkplätze für Frauen im Parkhaus!

VATER: (erstaunt) Was weißt du denn über Frauenparkplätze?

JAKOB: Mama stellt sich da immer hin.

VATER: Du meinst, sie stellt ihr Auto da immer hin.

JAKOB: Ja.

(Einige Sekunden Schweigen, Jakob denkt weiter nach)

JAKOB: (vorsichtig) Warum stören die Frauen denn die anderen Menschen?

VATER: (irritiert) Weil … äh … die stören doch überhaupt nicht. Die Parkplätze gibt's, damit ihnen nichts passiert.

JAKOB: Wem nichts passiert?

VATER: Den Frauen. Damit sie nicht überfallen und ausgeraubt werden.

JAKOB: Da gibt's also ein Räuberverbot!

VATER: Ja, genau.

JAKOB: (begeistert) Man müsste die gaaanze Welt zum Räuberverbot machen!

VATER: Schlaues Kerlchen.

(Einige Sekunden Pause, Jakob denkt nach)

JAKOB: (grübelnd) Also: Bei den Parkplätzen werden die Leute geschützt, die da drauf stehen.

VATER: Genau.

JAKOB: Und bei diesen Raucherdings, da werden die Leute geschützt, die da … nicht drauf stehen?

VATER: Du bist gut, Jakob!

JAKOB: Und die Zoos?

VATER: Wieso? Was ist mit den Zoos?

JAKOB: Die gibt’s, damit den Tieren nichts passiert?

VATER: Ja, kann man so sagen. Weil viele sonst wahrscheinlich aussterben würden.

JAKOB: Warum?

VATER: Weil sie draußen immer weniger Platz und Futter zum Leben haben.

JAKOB: Warum?

VATER: Weil die Menschen so viel Platz brauchen.

(Kurze Pause)

JAKOB: Was glaubst du — werden die Menschen auch einmal aussterben?

VATER: Ich glaube schon.

JAKOB: (ängstlich) Ich will das nicht!

VATER: Musst keine Angst haben, das ist erst in ganz vielen Millionen Jahren.

(Pause, Jakob denkt nach)

JAKOB: (für sich) Das würde mindestens so eng werden wie in dem Raucherzoo da drüben.

VATER: Was würde eng werden?

JAKOB: Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich bestimmen, dass alle Menschen in Zoos leben müssten!

VATER: Wieso das denn?

JAKOB: (begeistert) Da wären sie gut geschützt und würden nicht aussterben! — Und dann wäre auch wieder ganz viel Platz für die Zootiere draußen!





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So ’n Pusterich ist doch totaler Quatsch

(Personen: Ein Vater und seine etwa zehnjährige Tochter Ina, ein Gärtner und die beiden Mädchen aus „Vielleicht war Jesus ja eine Frau”. Dauer ca. viereinhalb Minuten. Ort: Im Stadtpark. Der Vater und Ina sitzen auf einer Bank und gucken Löcher in die Luft. Von links nähert sich ein lautes Geräusch, der Gärtner läuft mit einem Laubbläser über die Bühne nach rechts, macht riesigen Lärm und wirbelt Laub auf, Vater und Tochter verfolgen ihn mit ihren Blicken. Stille. Nach etwa zehn Sekunden kommt der Parkarbeiter zurück, dasselbe Spiel beginnt erneut, Vater und Tochter sehen ihm wieder nach, er verschwindet, der Lärm verstummt, einige Sekunden Stille)

INA: Warum macht der das?

VATER: Der macht hier sauber.

INA: Der macht hier alles schmutzig! Vorher war hier alles sauber!

VATER: Guck mal (zeigt auf eine laubfreie Stelle), da ist jetzt alles sauber.

INA: Und die Käfer und die Würmer, die wirbelt der alle in der Luft rum! Und das ganze Laub liegt jetzt bei uns!

VATER: Ist doch schön, so im Herbst.

INA: Warum nimmt der keinen Rechen und tut dann alles in einen Sack, so wie wir bei uns im Garten?

VATER: Das würde viel länger dauern und deshalb mehr kosten. Das würde die Parkverwaltung nicht bezahlen können.

INA: Aber so ein Pusterich ist wahrscheinlich auch voll teuer. Mit Rechen wär’s hier dann aber richtig sauber und nicht nur so von einer Ecke in die andere geblasen.

VATER: Ja, vielleicht.

INA: Außerdem macht der einen riesigen Krach. Da hört man ja die ganzen Vögel nicht mehr. Ein Rechen wäre ganz leise. Warum lassen die das Laub nicht einfach liegen? Sieht doch hübsch aus.

VATER: Da könnten Leute drauf ausrutschen und hinfallen. Das müsste die Parkverwaltung dann bezahlen, das Krankenhaus und so.

INA: Ich bin noch nie auf Laub ausgerutscht, da kann man gar nicht drauf ausrutschen!

VATER: Doch, wenn’s nass ist.

(Ina denkt nach)

INA: Jetzt ist das Laub aber noch da, da können die Leute immer noch drauf ausrutschen.

VATER: Ja.

(Wieder nähert sich das Laubbläsergeräusch von links, die Szene vom Anfang wiederholt sich, allerdings ohne dass der Gärtner von rechts wieder zurückkommt; stattdessen kommen Sarah und Susi aus der Szene „Vielleicht war Jesus ja eine Frau” schweigend von rechts, Sarah trägt ein selbstgebasteltes Holzkreuz und Susi eine halbnackte Puppe, beide verschwinden schweigend nach links, Ina und ihr Vater sehen ihnen nach)

INA: Die wollen sich wohl wichtig machen. (mit Mühe zum Thema zurückfindend) Jetzt war der Gärtner schon drei Mal hier, aber genützt hat das überhaupt nichts!

VATER: Vielleicht übt er ja noch.

INA: Hat’s früher auch schon solche Pusteriche gegeben?

VATER: Nein, die gibt’s erst seit ein paar Jahren.

INA: Und waren die Wege da alle schmutzig?

VATER: Weiß ich nicht mehr — wahrscheinlich nicht.

(Kurze Pause, Ina denkt nach)

INA: So ’n Pusterich ist doch totaler Quatsch! Der müsste saugen, nicht blasen! Zu Hause haben wir ja auch einen Staubsauger und keinen Staubblaser!

VATER: Da hast du recht.

INA: Das wär aber voll lustig, wenn Mama mit dem Fön durch die Zimmer ginge und den ganzen Staub wegblasen würde!

VATER: Von einer Ecke in die andere.

INA: Genau, deswegen ist das Quatsch mit dem Pusterich! Den hat sicher so ein Doofi erfunden.

VATER: Vielleicht wollte jemand einfach nur Geld verdienen damit.

INA: (empört) Wer kauft denn sooo was?

VATER: Keine Ahnung.

INA: (immer noch aufgeregt) Aber das ist doch Unsinn! Dann kommt der Wind, und der ganze Dreck ist wieder da! Warum gibt es keine Laubsauger?

VATER: Doch, die gibt es. Da muss man den Pusterich nur umdrehen.

INA: Und warum saugt der Gärtner mit dem Pusterich dann nicht?

VATER: Woher soll ich das denn wissen? (kurze Pause) Vielleicht ist Saugen einfach nicht schick genug.

INA: Du meinst, so ein Pusterich-Sauger wäre total uncool?

VATER: Ja, könnte man sagen.

INA: Aber zu Hause, unser Staubsauger, der ist cool!

VATER: Na, da übertreibst du wohl etwas.

INA: Gar nicht, der macht wenigstens den ganzen Dreck weg. Und außerdem ist er schön grün, und Mama singt immer beim Staubsaugen. Beim Fönen singt sie nie.

VATER: Der macht Staubsaugen eben Spaß. Ist ja auch eine Frau.

INA: (sieht ihren Vater verständnislos an) Wieso? Ist der Pusterich nur für Männer?

VATER: Genau, die brauchen das.

INA: Für was?

VATER: Für ihr Ego.

INA: Was ist Ego?

VATER: Wenn sie den benutzen, guckt ihnen jeder nach, dann fühlen sie sich stark.

INA: Und du, du bist auch stark!

VATER: Ja, klar!

INA: Gell, Papa, du bist immer stark!

VATER: Na ja … immer … immer nicht.

INA: (denkt nach) Fänd ich aber schön. Vielleicht sollten wir uns auch mal so einen Pusterich kaufen.


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