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Lilly will Gin

 ⊕ Leseprobe

Lilly will Gin

Skurrile Geschichten und Gedichte. Vom röchelnden Telefonbuch. Vom missglückten Designerbaby und vom hoch bezahlten Peitschenknall.

Ernste Gedanken. Über den Schaukelstuhl auf der Düne. Über schlaue Makrelen und Priester in Nöten.

Erschreckend, was an einem italienischen Strand alles passieren kann — zarte Gemüter seien gewarnt. Zur Erholung darf der Leser danach in die lyrischen Tiefen einer Silberfisch-Ehe eintauchen oder einen Ausflug in den nächtlichen Wald machen. Aber irgendwie ist fast alles ein bisschen verrückt, Oasen des Normalen grünen nur vereinzelt.

Schräg reflektiert das Leben seine erstaunlichen Begegnungen abseits der vertrauten Wege. Allerlei skurriles Personal treibt sich dort irrlichternd herum. Nähern wir uns diesen merkwürdigen Gestalten, dann erkennen wir in ihnen meist gute Bekannte, in manchem Zerrbild vielleicht sogar uns selbst ...

Lilly will Gin — Götter, Geigen, Salmonellen

Paperback: 112 S., € 8,90 — Bestellung über den Autor

Leseprobe


Husch

Husch, der kleine Silberfisch,
war sehr unzufrieden.
Wenn er seine Frau besah,
und sie scharf beäugte,
fand er immer silbern sie,
was ihn nicht erfreute.

Seine Frau, die Barbara,
kannte seine Launen.
„Silber ist doch wunderbar”,
rief sie, wenn er raunzte,
„komm, mein kleiner Silberschatz,
hab mich lieb, du Lauser.”

„Oh, ich hab ihr Silber satt”,
sprach er nach der Liebe,
huschte schnell zum Haus hinaus,
hin zum schwarzen Weiher,
hin zur dicken Goldfischfrau,
wo er fiebrig weinte.

Deutschlandlied 2011

Deutschland, Deutschland, über alles,
über alles wacht dein Geist,
wenn Europas Pleitegeier
über Schuldenstaaten kreist.
Voller Einfluss, stark und mächtig
du dem Weg die Richtung weist —
Deutschland, Deutschland, über alles,
über alles wacht dein Geist!

Deutsche Wirtschaft, deutsche Leistung
glänzen hell von hohem Rang,
doch dein Reichtum und dein Streben
stimmen Nachbarstaaten bang.
Deine Worte schwingen manchmal
dünkelhaft mit hartem Klang —
deine Führung wird geduldet,
aber nur kein deutscher Zwang!

Streitbarkeit und Lust am Zickzack
zeigst du, deutsches Euro-Land,
das Vertrauen deiner Partner
strapazierst du elegant.
Arroganz und Anspruch gehen
brüderlich oft Hand in Hand —
spar dir deine großen Töne,
spare, deutsches Schuldenland!

Glück

Sommer. Kinderkreischen in der Abenddämmerung. Rufen, Juchzen, helle Schreie von der nahen Wiese. Toben, Jubel — dann Stille. Näher kommendes Getrappel. „Ich hab Durst” aus keuchenden Kehlen. Verklebte Haare auf heißen Köpfen. Kindheit wie früher.



Dialog mit dem Kind

„Suppe allein macht aber nicht satt.” — „Doch, mich schon!” — „Die hält aber nicht lange vor.” — „Doch, bei mir schon!”

Eine Stunde später. „Kann ich einen Fruchtzwerg haben?” — Eine Minute später. „Kann ich noch einen Fruchtzwerg haben?”

Wespenhymne

An den späten Sommertagen
wollen wir nicht lange fragen,
ob’s euch recht ist, dass wir naschen
an den offnen Limoflaschen,
dass wir in das Bierglas tauchen,
weil wir diesen Kick jetzt brauchen,
dass wir heiß nach Süßem gieren,
dass wir uns nicht lange zieren,
euch in Panik zu versetzen —
ohne viel zu schwätzen
uns sogar erfrechen euch zu stechen.

Ja, ihr Menschen, ich bin ehrlich,
seid für uns nicht ungefährlich.
Manche Schwester hat’s getroffen:
Elli ist im Krug ersoffen,
Kati hat man dreist erschlagen,
als sie schlief im Kinderwagen,
Kim erstickte ohne Worte
hilflos in der Sahnetorte.

Doch wir sind euch überlegen
unsrer schieren Menge wegen!
Daher, Mädels, kommt, hier ist’s erquicklich,
Erdbeereis macht glücklich.
Nur, ihr müsst stets darauf achten:
Menschen gerne Wespen schlachten!

Stürzt euch steil aus euren Nestern,
schwärmt hinaus, gelb-schwarze Schwestern,
lasst die Menschen nicht vergessen,
dass auch wir sind ganz versessen
auf die feinen Zuckersachen,
die uns süß entgegenlachen.
Schwirrt den Menschen um die Nasen,
spitzt die Stacheln, lasst sie rasen,
nehmt euch, was der Tisch euch bietet.
Räubert, kämpft und wütet!

Saft und Cola, Limonaden,
Sirup, heiße Schokoladen,
darin wollen Wespen baden,
auch ein deftig Schinkenbrot
oder etwas Hundekot
schleckt die Wespe in der Not.
Doch der Gipfel der Genüsse,
süßer noch als tausend Küsse,
wartet auf dem Gartentisch,
dunkelrot und fruchtig frisch.

Wollt ihr ganz in Lust versinken,
späht nach Menschen, die euch winken,
armewedelnd Kaffee trinken,
euch verwünschen und verfluchen,
fuchtelnd Schutz im Hause suchen.
Folgt mir, dort gibt’s Zwetschgenkuchen!